Prof. Jörg Immendorff

 

Schon in früherer Schulzeit fielen die malerischen Qualitäten Immendorffs auf. Die erste Einzelausstellung fand überraschend große Beachtung und veranlaßte Immendorff 1961 dazu: “Ich werde Künstler“

Immendorff studierte an der Kunstakademie in Düsseldorf zunächst in der Klasse von Theo Otto (Bühnenbildner der 50er und 60er Jahre) wechselte aber bald in die Klasse von Joseph Beuys, derb die künstlerische Entwicklung entscheidend geprägt und geformt hat. Inspiriert durch Beuys entstand die Aktionskunst der “Lidl-Akademie” wo er auf politische Mißstände und Fehlentwicklung der Gesellschaft hinweisen wolle. z.B. Als 22 jähriger zog Immendorff vor dem Bundestagsgebäude auf und ab. Am linken Bein hatte er einen Holzklotz gebunden, der mit Farben Schwartz, Rot, Gold bemalt und mit dem Wort “Lidl” beschriftet war. Er demonstriete gegen eine unschöpferische deutsche Politik und wurde fast verhaftet. Als Kunstlehrer an der Düsseldorfer Hauptschule 1968 - 80 versucht Immendorff, seine Vorstellung von einer politisch wirksamen Kunst praktisch umzusetzen. Seine internationalen Durchbruch verdankt Immendorff in erster Linie seiner künslerischen Auseinandersetzung der deutschen Geschichte.
In seiner Bilderserie “Cafe Deutschland” wird die jüngere deutsche Geschichte geteigt, die verbrecherichen NS-Regime und der damit zusammenhängenden Perversion und Selbstaufgabe dernationalen Identität.Harald Szeemann bezeichenetediese Art als “ein neuer Typus des Historienbildes”, eine vom Leiden an den Verhältnissen geprägte exessive, erzälerische Malerei, deren plakative, comic-hafte Formensprache freilich immrer auch eine Ironisierung des Dargestellten bewirkt. Ein weiterer bedeutender Punkt für das Hineintauchen in die Problematik der deutschen Geschichte liegt an seiner Herkunft, er wurde 1945 in Bleckede am Ende der Nazi-Regime geboren. Hier wuchs er auf, sah den Fluß als Grenze und erlebte den anderen Teilbau Deutschlands mit seinen wachsenden Grenzbefestigungen vor Augen. Jörg Immendorff hat sich als Maler durchgesetzt und behauptet und als Maler stellt er sich in seinen Bildtiteln immer wieder vor. Selbst als Bildhauer nennt er sich Maler. Weil Malen heißt die Malerei betreiben, Malen heißt auch Bildhauen und Malen heißt auch Zeichnen, denn Malen steht für das Künstlertum. Immendorff malt kräftig und spart nicht mit Farbe, das Überraschende ist, daß die Genauigkeit der Farbakkorde, ihre immer wieder neue Stimmigkeit, dabei nicht verloren geht.
Immendorff ist ein Meister seines Fachs, er ist ein Arbeiter der sich immer wieder anspornt zu Fleiß, Können, Dynamik, Durchsetzungsvermögen und Phantasie durch das, was ihm als heutige Aufgabe eines Malers klargeworden ist.Aus diesen Gründen ist in Immendorffs Bildern alles in Bewegung, die Formen verschmelzen und wandeln sich, die Räume werden zu Landschaften und die Landschaften zu Bildern. Immendorffs Bildthematik bildet sich häufig aus vielen Symbolen und Gestalten welches aus seiner Phantasie einen Mythos oder seiner Vergangenheit entstehen und die Szenerie darstellen. Auf zwei Schlüsselsymbole möchte ich jedoch kurtz eingehen, die in jüngster Zeit immer stärker in den Vordergrund getreten sind.

 

“Der Pinsel” ist zu einem Leitsymbol gerworden. Ihn hält der Maler schwingend in der Hand, oder er steckt in der Hosentasche des Künstlers. Dann macht sich der Pinsel selbstständig und verfestigt sich zum Skulpturenstab. Durch Ihn kann Immendorff erzählen, protestieren und aufklären.

 

“Der Affe” ist Ballast und Wiedersacher des Malers, sein Freund und zweites Ich, ist Konkurent und Weggefährte, isteiner, der Ihm hinterrücks ins Handwerk pfuscht, und der sich selbst zum Künstler macht. Der Affe als Sinnbild der Nachahmung, er ist zum Malerfreund und Malerfeind bestimmt worden, er ist Akteur und ein zur Skulptur erstarrtes Objekt. In der Hindu-Mythologie gild der Affe auch als Herr der Zeichen. So ist der Affe nicht nur Nachahmer, Imitator, sondern Helfer und Förderer und guter Geist des Künstlers. Selbst Pablo Picasso schuf 1964 eine Skizzenreihe, in der sich der Künstler und ein Pavian gegenübersitzen und um die Wette malen.